Su-Ran Sichling 

Folgende Themen gehören zu diesem Fellowship

  • Zeitgenössische Kunst
  • Sammlungsforschung

Blick zu Nachbarn (Wiedervorlage), Kulturelle Nischen und Impulse zur Teilhabe

Juli – August 2024

Die Residenz von Su-Ran Sichling fand im Rahmen der Ausstellungsvorbereitungen für „Über Grenzen. Künstlerischer Internationalismus in der DDR“ statt, kuratiert von Kerstin Pinther.

Su-Ran Sichling
Su-Ran Sichling
Photo: www.materialmatters.online / Robert Vanis

Mit dem Ziel, ein großes textiles Kunstwerk zu schaffen, recherchierte sie vor allem zu den Textilzirkeln, die von DDR-Regierung und Kulturpolitik als Teil „künstlerischen Volksschaffens“ gefördert wurden. Diese Zirkel dienten darüber hinaus dazu, Freizeit unter staatliche Beobachtung zu stellen und die Teilnehmer*innen zu funktionalen Bürger*innen zu erziehen.

Blick zu Nachbarn (Wiedervorlage) geht von einem abstrakten Muster aus, transformiert dieses in ein kräftigeres Farbkonzept und verwebt Schnittmuster von Hosen in blauen Fäden. Diese zweite Ebene spielt auf die inoffizielle Tätigkeit der vietnamesischen Vertragsarbeiter*innen ab, die nebenher und jenseits von staatlicher Kontrolle modische blaue Jeans nach dem Vorbild von Wrangler und Levi’s nähten. Mit dieser Arbeit verweist die Künstlerin auf die Rolle von Migrant*innen in der „alternativen“ Modegeschichte der DDR, und verbindet diese mit der „offiziellen“ Arbeit in den Textilzirkeln. 

“Ausgangspunkt meines Vorhabens ist die Untersuchung nationaler Narrative der deutschen Nachkriegszeit anhand von Artefakten. Gleichzeitig möchte ich das Wissen und die Praxis von Migrant*innen in den Blick nehmen und erkunden, wie Migration Vorstellungen gesellschaftlich anerkannter Epistemologien verändert.”
— Su-Ran Sichling

Su-Ran Sichling studierte Bildhauerei in Dresden, Angers und Wien. In ihrem Werk beschäftigt sie sich mit Praktiken von Inklusion und Exklusion, post-migrantischen Communities und dem Kontrast zwischen dem Natürlichen und dem Künstlichen.