Talking Mats: Interwoven Histories – Connecting Peoples

Folgende Themen gehören zu diesem Projekt

  • Wissenschaftskooperation
  • Tradiertes Wissen
  • Provenienzforschung
  • Gemeinschaftsbeteiligung

In der rhythmischen Bewegung geschickter Hände offenbart sich ein altes Handwerk. Es schlägt eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart, enthüllt in gewebten Mustern Geschichten und verbirgt in komplexen Mustern tiefere Bedeutungen. Dekorierte und kalligraphierte Matten aus Lamu werden dort mikeka genannt. Meist von Frauen hergestellt, sind sie tief in der Swahili-Kultur verwurzelt.

Öffentliche Präsentation von Drucken historischer Matten im Rahmen eines Workshops in Lamu auf dem Mkunguni Platz am Lamu Fort, Lamu Museen, 2024.
Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Ethnologisches Museum und Museum für Asiatische Kunst / Sophia Bokop

Eine Sammlung von Matten aus dem späten 19. Jahrhundert vom Lamu-Archipel an der nördlichen Küste Kenias wird heute im Ethnologischen Museum in Berlin aufbewahrt. Sie gelten als weltweit einzigartig, da ihnen Texte und Gedichte eingewoben sind. Die Matten sind von großem historischem Wert für Menschen und Institutionen, die ostafrikanisches Kulturerbe erhalten wollen. Darüber hinaus dienen sie als greifbare Zeugnisse der verflochtenen Geschichte Deutschlands und der nördlichen kenianischen Swahili-Küste.

Das Projekt „Talking Mats: Interwoven Histories – Connecting Peoples“ (Sprechende Matten: Verwobene Geschichten – Menschen verbinden) ist eine transregionale und transdisziplinäre Kooperation zwischen dem Ethnologischen Museum Berlin und den National Museums of Kenya (NMK), Lamu Museums and World Heritage Site, insbesondere dem German Post Office Museum in Lamu. Besonderer Fokus liegt auf Oral History, postkolonialer Provenienzforschung, Museologie sowie der Koproduktion von Wissen und einer Ausstellung.

Die im August 2025 eröffnete, koproduzierte Ausstellung wird die deutsch-ostafrikanischen Beziehungen aus einem lokalen, matrifokalen (mütter-zentrierten) Blickwinkel erzählen, der geprägt ist von Inklusivität, Mehrsprachigkeit, Transkulturalität, Ästhetik des Indischen Ozeans, Wettbewerb und gemeinschaftlichem Engagement. Das Hauptaugenmerk liegt auf menschlichen Beziehungen, Geschenk-Austausch und Reziprozität, alles, was in die Rolle und den Gebrauch dieser Matten während Übergangsriten und entsprechend von Lebensphasen eingebettet ist. Daher ist die Eröffnung in Form eines traditionellen Festes mit Wettbewerben und Musik- und Tanzaufführungen mit aktivem Einbezug der lokalen Gemeinschaft und in Anlehnung an Swahili-Ästhetik ein wesentlicher Bestandteil der Museumskooperation. Es sind die Matten selbst, die die Geschichten der Ausstellung in den vier Gebäuden der Lamu Museums and Heritage Sites erzählen und zusammenflechten.

Projekt-Info

Region: Kenia

Kooperationspartner*innen: National Museums of Kenya (NMK), Jasmin Mahazi, Sozial- und Kulturanthropologin und Oral History Forscherin

Forschung: PD Dr. Paola Ivanov, Curator of the Africa Collection and Head of the project (EM); Dr. Jasmin Mahazi, Scientific Coordinator of the project and independent researcher (CoMuse); Mohamed Ali Mwenje, Curator Lamu Museums and World Heritage Site (NMK)
Munira Mohamed Omar, Coordination and liaison officer (NMK); Sophia Bokop, Provenance Research and Project Management (CoMuse, EM/AKu); Myriam Perrot, Museology and Exhibition Production (CoMuse, EM/AKu); Mohamed Hassan Ali, Collection Management and Curation Lamu Museums (NMK); Haji Mohamed, Conservation and Field Work Coordination (NMK)
Husna Omar, Communication (NMK); Dr. Ahmed Yassin, Chief Research Scientist (NMK); Najeeb Nassir Juma Bhalo, Filmmaker Kenia; Mat Weavers: Bahati Hassan Ruli, Habute Fumo Omar, Mwanaharusi Juma, Hadija Abdalla Fahil, Aisha Dawami, Hadija Shee, Namkuu Mkaraji, Fatma Othman Hassan, Fatma Haji Rajab; Poetry: Zuwena Msellem, Mahmoud Abdulqadir Mau, Ahmed Yassin, Hadija Abdalla Fadhil; Translation and Interpretation of Poetry: Jasmin Mahazi, Sheikh Nabahany, Clarissa Vierke, Mahmoud Abdulqadir Mau, Ahmed Pakar, Zena Mahmoud Fadhil Al-Bakri; Najeeb Ahmad Nassir Juma Bhalo, Audiovisual Documentation and Film in Lamu; Carlos da Silva Pinto, Film in Berlin; Costanza Parigi, Support Film in Berlin; Isaya Muriuki Kaimenyi, Film in Matondoni and Lamu; Rebeca Olfe, Video Editing, Digital Outreach 
Najma Mohamed Lali Mahazi, Mohamed Lali Mahazi, Audio recording historical mats; Curator Digital Outreach: Cristina Navarro; Technical facilitation and IT: Justus Romanowski; Design: Sefa Pala, Nicholas Maundu, Myriam Perrot; Legal Offices: Isiah Nyaega, Tobias Schmiegel, Carola Thielecke; Administration: Nelly Silau, Berit Kintschil, Frank Dreblow

Wir danken herzlich allen genannten und nicht genannten Beitragenden und Teammitgliedern, darunter vor allem das CoMuse-Projektteam, die Mitarbeitenden der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und der Berliner Museen, sowie der National Museums of Kenya, und der lokalen Gemeinschaft in Lamu sowie den Teilnehmenden am Workshop im September 2024. Ein besonderer Dank gilt den Mattenflechter*innen, den Dichter*innen, den Interpreten der Gedichte und den Wissenschaftler*innen, der Gemeinschaft in Lamu sowie den Wissens- und Würdenträger*innen und Unterstützer*innen des Projektes.


Projektförderung: CoMuse

Projektlaufzeit: 01/2024 - 12/2025